Da ist er, der vorerst letzte Reisebericht unserer sagenhaften Weltumrundung in atemberaubenden 357 Tagen. Schluchtz!!! Die Sensiblen unter Euch werden vermutlich einen Hauch von Trauer zwischen den Zeilen spüren können. Aber nun zum Erlebten!
Ihr erinnert Euch, unsere letzte beschriebene Etappe war die Andenüberqueren von Santiago nach Mendoza. Vom Busterminal in Mendoza schleiften wir spätabends unsere Rucksäcke in Richtung des gebuchten Hostels. Das Hostel lag etwas außerhalb des Stadtzentrums und man bemerkt ziemlich schnell, dass hier alle Fenster und Mauern der Häuser mit Gittern bzw. Stacheldraht gesichert sind. Diese sind vermutlich ein Zeichen der unsicheren Zeiten während der letzten wirtschaftlichen Depression, aber wir beschlossen, dass es dennoch keine gute Idee ist hier Abends entlang zu spazieren. Das Hostel selbst war vermutlich mal eine luxuriöse Hazienda und wartete mit unvermutetem Luxus, wie einem Pool oder einer riesiger Küche, auf.
Mendozas Besonderheiten sind vor allem das Bewässerungssystem, welches aus der umliegenden Wüste ein fruchtbares Tal gemacht hat und über welches man förmlich auch in der Innenstadt stolpert bzw. sich sogar die Beine bricht. Wichtigstes Merkmal der Stadt ist jedoch der exzellente Wein, welcher in der umliegenden Region angebaut wird. Uns war das Ganze so wichtig, dass wir uns eine geführte Weintour durch verschiedene Bodegas (Winzereien) der Umgebungen antaten. Am Anfang schien die Tour eher in eine langweilige Kaffeefahrt in spanischer Sprache zu entwickeln, aber gegen Ende wurde die ganze Aktion noch ganz witzig. Neben den genannten Bodegas gab es noch einen Olivenhain mit angeschlossener Produktion und eine Süßschnapsbrennerei zu besichtigen. Die Verkostung der dort gebotenen lokalen Leckereien und die internationale Besetzung der Besucher lockerten die Runde kräftig auf.
Am nächsten Morgen war es für uns Zeit die Mendoza zu verlassen. Im Winter gibt es hier in der näheren Umgebung wirklich nicht mehr als für drei Tage etwas zu tun. Daher setzten wir uns wieder in den Bus, um diesmal das 750 km entfernte Cordoba zu erreichen. Bei dieser 10 stündigen Fahrt kommt man durch recht karg wirkende nördliche Pampa Argentiniens. Beeindruckenden waren die all die kleinen Pampadörfer in dem mindestens ein überdimensionaler Grill mit Rind-, Ziegen- und Lamafleisch in Betrieb war. Quasi als kleiner Zwischensnack für die vorbeikommenden Reisenden.
In Cordoba selbst machten für uns nach einer halsbrecherischen Taxifahrt und einer geräuschgeschwängerten Nacht im Hostel am nächsten Morgen auf die übliche Stadtpirsch. Herausgekommen sind ein paar wirklich nette Eindrücke von der Innenstadt. Wirklich die Innenstadt von Cordoba ist voller interessanter Ecken und vor allem mit gut erhaltenen Kolonialgebäuden.
Nach einem Tag der gemeinsamen Stadtentdeckungen und einem mittäglichen Restaurantbesuch beschlossen wir uns zur Abwechslung mal aufzuteilen. Karin lag krank im Bett und Jens ging somit allein zum Paragliding in die Sierra de Cordoba. Paragliding in Tandem ist in Argentinien vermutlich so günstig wie nirgendwo auf der Welt und man kann sich trotzdem ziemlich sicher fühlen, da das Ganze fast ausschließlich von ehemaligen Weltmeisterschaftsteilnehmern betreut und durchgeführt wird. Auf jeden Fall ist es genialer Augenblick im Leben, wenn man 45 min wie ein Condor durch diese faszinierende Landschaft fliegt. Es war für mich genial und unbedingt empfehlenswert!
Mittlerweile war es nun für uns Zeit in die letzte Stadt unserer Reise aufzubrechen – Buenos Aires. Nach wiederum 12 Stunden etwas langweiliger Busreise erreichten wir die Hauptstadt. Unser Hostel lag in direkter Nähe zum Obelisco und damit im tiefstem Zentrum der Stadt, ideal um alle umliegenden „Barrios“ (Stadtteile) zu erkunden.
Jedes Barrios kann hier mit einem eigenen Ambiente und Still glänzen, je nach der Herkunft jeweiligen Einwanderer. Am besten gefiel uns der Stadtteil „San Telmo“ wo noch auf den Straßen ausgiebig Tango getanzt und Musik zelebriert wird und sonntags ein unheimlicher spannender Trödel- und Antiquitätenmarkt statt findet, generell gehts hier total gemütlich zu.
Unser zweitliebster Ort in Buenos Aires war ein Friedhof, auch wenn es auf den ersten Blick etwas seltsam erscheinen mag, ist der Friedhof in Recoleta immer einen gruseligen Abstecher wert. Hier liegt nämlich der Stadtadel sowie sämtliche militärischen und politischen Führer des Landes begraben. Viel mehr eindrucksvoller sind jedoch die antik verbauten Gruften in denen die Herrschaften ruhen.
Des weiteren ist Buenos Aires immer für ein leckeres T-Bone Steak oder das eine oder andere Lammkeulchen gut und auch für etwas Shopping geeignet.
So, nach weiteren Attacken unsererseits auf weiterer Barrios wie Palermo ging es selbstverständlich noch in den … na … den Zoo natürlich. Der mäßigen Ansammlung alternder Fauna wollten wir scheinbar unbedingt noch die letzte Ehre erbieten. Meistens war der Käfig aber auch einfach schon leer … halt zu spät. Also der Zoo von Buenos Aires ist definitiv nicht empfehlenswert. Bemerkenswert war dort jedoch die Dressierung der argentinischen Besucher als Fütterungshilfen: An jeder Ecke konnten diese Futter für die Tiere kaufen und auf dafür angebrachten Futterrampen den Tieren direkt ins weit geöffnete Maul rollen lassen.
Und nun war er da, der Tag der Abreise zurück nach Europa. Ab jetzt ging alles nur noch scheinbar schmerzlos schnell – rasante Taxifahrt zum Airport – Zwischenlandung in Sao Paulo – warten in London Heathrow – Ankunft bei Regen in Berlin. Und zack … wir sind wieder in Deutschland. Hatten wir das gewollt? Eher nein! Ab jetzt gibt es für uns wohl einen langen Resozialisierungsprozess in den heimatlichen Gefilden, es sei denn ihr erbarmt Euch und sammelt für zwei Tickets nach Perth
Aber auch wer nicht spendet, wir möchten uns hier an dieser finalen und sentimentalen Stelle noch einmal für das fleißige Lesen (bis zum heutigen Tag habt ihr es gemeinsam auf über 13.000 Seitenzugriffe gebracht!) und Eure Kommentar bedanken!!!
Senorita Karin und el Jens
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